Bauernverband bezweifelt Pestizide als Ursache für Parkinson
04.04.25 16:45 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Der Bauernverband hat sich gegen Zahlungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung für Landwirte ausgesprochen, die ihre Parkinsonerkrankung auf Pestizide zurückführen.
über dts Nachrichtenagentur
Es müssten "Zweifel hinsichtlich Kausalität und Dosismaß ausgeräumt werden", teilte ein Sprecher des Bauernverbands der "Wochentaz" (Samstag) mit.
Dabei berief er sich vor allem auf das Bundesinstitut für Risikobewertung.
Diese Behörde prüft regelmäßig, ob Pestizide gesundheitsschädlich sind, bevor sie zugelassen werden.
Sie stellte im November 2023 fest: Nur bei den in der EU nicht mehr zugelassenen Wirkstoffen Rotenon und Paraquat sei belegt, dass sie Parkinson auslösen können.
In seinen "Kernanliegen" an die Parteien vor der Bundestagswahl 2025 hatte der Verband vor den "Folgekosten politischer und nicht fachlich begründbarer Entscheidungen (wie im Fall der Einordnung `Parkinson durch Pestizide` als Berufskrankheit)" gewarnt. Patienten mit anerkannten Berufskrankheit können von der Berufsgenossenschaft großzügigere Leistungen als von der Kranken- oder Pflegekasse bekommen, zum Beispiel höhere Zuschüsse für ein Pflegeheim.
Der Ärztliche Sachverständigenbeirat Berufskrankheiten beim Bundesarbeitsministerium dagegen empfahl im September 2023, "Parkinson durch Pestizide" allgemein als Berufskrankheit anzuerkennen.
"Wir haben eine Fülle von anderen Studien - sowohl Tierversuche als auch epidemiologische Studien am Menschen -, die zeigen: Es ist nicht nur Rotenon und Paraquat", sagte Monika Rieger, Vizevorsitzende des Ärztegremiums und Professorin für Arbeits- und Sozialmedizin an der Universität Tübingen, der Zeitung.
"Und wir haben auch deutlich höherwertige Studien zu anderen Pestiziden".
Bis Anfang April 2025 hat die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft keinen Fall von "Parkinson durch Pestizide" als Berufskrankheit anerkannt, wie die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau der "Wochentaz" mitteilte. Knapp 5.200 Fälle lehnte die Versicherung demnach bereits ab. Rund 3.000 prüfe sie noch.
Die Berufsgenossenschaft rechnet damit, dass jeder anerkannte Fall sie im Schnitt 27.600 Euro pro Jahr kosten wird. Für diese Kosten nahm sie nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr insgesamt 100 Millionen Euro an Beiträgen zusätzlich von ihren Mitgliedern ein. Das trug dazu bei, dass der durchschnittliche Mitgliedsbetrieb 114 Euro oder 17 Prozent mehr Jahresbeitrag zahlen musste als 2023 - das Gros der Kostensteigerung war wegen Parkinson.